Ein werkreiches Leben

Werkverzeichnis (in Entwicklung)

  • »Widerstand im Gebiet von Wiener Neustadt 1938–1945«, Europa-Verlag 1973.
  • »Die Anfänge der Wiener Neustädter Arbeiterbewegung 1865-1968«, Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung, Europa-Verlag 1975.
  • »Die Revolution von 1848 in Wiener Neustadt«, Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung, Europa-Verlag 1978.
  • »Geschichte der Wiener Neustädter Gewerkschaftsbewegung bis zum Hainfelder Arbeitskongreß 1870–1888«, ÖGB-Bezirksleitung, Druck- und Verlagsanstalt Gutenberg, 1978.
  • »Zur Geschichte der Wiener Neustädter Trinkwasserversorgung«, Magistrat Wiener Neustadt, Druck- und Verlagsanstalt Gutenberg, 1978.
  • »Von der Vereinssiedlung zur Josefstadt. Die Geschichte der ersten Arbeiter-Bau-Genossenschaft 1869–1879«, Druck- und Verlagsanstalt Gutenberg, 1979.
  • »Der Volkstribun. Das Leben und Wirken des Wiener Neustädter Arbeiterführers und Volksdichters Franz Johann Leitner, 1849–1922«, Druck- und Verlagsanstalt Gutenberg, 1979.
  • »Geschichte der Wiener Neustädter Gewerkschaftsbewegung 1889–1945«, 2 Bände, Druck- und Verlagsanstalt Gutenberg, 1982.
  • »Die Geschichte des öffentlichen Wohnbaus in Wiener Neustadt«, 1982, Herausgeber: Industrieviertel-Museum Wiener Neustadt.
  • »Wr. Neustadt im Ständestaat. Arbeiteropposition 1933–1938«, Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung, Europaverlag 1983.
  • »Geschichte des Wr. Neustädter Arbeiterwohnviertels Flugfeld« (Magistrat Wr. Neustadt, 1983)
  • »Geschichte des Wr. Neustädter Arbeiterwohnviertels Kriegsspital-Döttelbach«, gemeinsam mit Richard Kuser (Magistrat Wr. Neustadt, 1984)
  • »Geschichte der Wiener Neustädter Arbeiterkultur- und Sportbewegung«, 1985, unveröffentlichtes Typoskript beim Magistrat Wr. Neustadt.
  • »Geschichte der Wiener Neustädter Radiatorenfabrik«, gemeinsam mit Richard Kuser (Weilburg-Verlag 1987)
  • »Wiener Neustadt. G'schichtln und Geschichte« (NÖ-Rundschau 1998)
  • »Vom Schneeberg bis zur Leitha. G'schichtln und Geschichte« (NÖ-Rundschau 2000)
  • »Freiheitskampf. Widerstand im Gebiet Wiener Neustadt 1938-1945« (Verein Alltag Verlag 2003)
  • »Erlebt und gereimt. Kerker, Gesellschaft, Natur und Menschen im Gedicht« (Verein Alltag Verlag 2004)
  • »Das Dach über dem Kopf. Zur Geschichte des öffentlichen Wohnbaus in Wiener Neustadt.« Verein Museum und Archiv im Viertel unter dem Wienerwald, Dokumentation des Industrieviertel-Museums Wiener Neustadt 115, Wiener Neustadt 2005.
  • »Zeuge der Zeit. Die Geschichte meines Lebens« (Verein Alltag Verlag 2007) 

Nekrolog für einen Freund

von Michael Rosecker

Werte Angehörige, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde!

Für einen Freund eine Ansprache halten zu dürfen, ist immer eine Ehre, eine Herzensangelegenheit und normalerweise eine prächtige Freude. Heute, muss ich gestehen, erstmals in meinem Leben, ist es zwar noch immer eine Ehre und eine Herzensangelegenheit, aber der Rest ist heute Bitterkeit. Nicht nur die Tatsache einen lieben Freund verloren zu haben, nicht nur die Einsicht, dass ein nicht wegzudenkender Fixpunkt des Kultur- und Politikgeschehens unserer Heimatstadt verloren ging, lösen diese Bitterkeit aus, sondern auch die Tatsache, dass das Ableben unseres Karls ein Loch reißt, in die Geschichte dieser Stadt. 

Kaum einem Bürger der Stadt war es aufgetragen so viel Geschichte auf sich zuladen, so viel Geschichte zu ertragen, so viel Geschichte anzustoßen und selbst soviel Geschichte mit- und aufzuschreiben wie ihm. Karl Flanner war genauso Akteur wie Opfer, genauso aktiver Mitautor wie beobachtender Chronist der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieser Stadt. Seine Vitalität, Begeisterungsfähigkeit, Zähigkeit und seine manchmal für Außenstehende kaum nachvollziehbare Verbissenheit zeichneten ihn aus, wurden verehrt von den Freunden und gehasst von den Gegnern.
Aber eines beherrschte er wahrhaftig wie kein anderer, und diese Leerstelle wird nun kaum zu füllen sein: Karl Flanner war ein begnadeter Geschichte-Erzähler. Er war einer, der mitgerissen wurde vom Strom der Geschichte, einer, der selbst den Strom der Geschichte mitriss und einer, der es verstand andere in den Strom der Geschichte mitzureißen. Wie machte er das? In dem er Geschichte formen konnte, zu spannenden menschlichen und menschelnden Geschichten, die er wunderbar begeisternd packend erzählen konnte. Durch seine leuchtende Kraft des Erzählens, durch seine Gabe die Hirne und die Herzen der Menschen gleichermaßen mit seinen Erzählungen zu erreichen, schuf er Erinnerungsplätze und Aufbewahrungsorte von historischen Fakten, menschlichen Erkenntnissen und real gemachten Lebenserfahrungen.
So wurde er selbst Erinnerungsplatz und Aufbewahrungsort Wiener Neustädter Geschichte, mit all ihren menschlichen Lichtblicken und allzumenschlichen Abgründen.
Dieser Erinnerungsplatz, dieser Aufbewahrungsort ist nun jedoch verloschen und das reißt das bereits erwähnte Loch, in den Strom des Erzählens der Geschichte Wiener Neustadts. Für uns Zurückbleibende wird es eine immens große Aufgabe sein, dieses Loch wieder aufzufüllen, die Lücke zu überbrücken. Es wird für uns eine Großaufgabe sein, den Strom der Geschichte in Karl Flanners Erzählungen nicht abreißen zu lassen, ihm neuen Schwung zu geben, ihn umzuleiten und ihn in neue Bahnen zu lenken, um ihn genauso an den Bedürfnissen und Hoffnungen der Menschen orientiert, kraftvoll weitergeben zu können, im Sinne einer humanen, solidarischen, demokratischen und gerechten Zukunft.
Ob wir diese Erzählkraft des Zeitzeugen Karl Flanners, der all das selbst erlebt, erlitten und erstritten hat, haben, das weiß ich nicht, ich kann es nur hoffen. Und in dieser Hoffnung bestärken mich die Erinnerungen daran, dass ich dreimal in meinem Leben gemeinsam mit dem Karl Flanner das Solidaritätslied von Bertholt Brecht und Hanns Eisler singen durfte. Jedes mal, wenn ich mich in den letzten Tagen an diese wunderbaren Augenblicke zurückerinnerte, wurde mir wieder leichter ums Herz, und ich spürte zaghaft aber doch die pulsierende pochende Kraft des Stroms der Geschichte, den unser Freund Karl Flanner angestoßen hat und der mich von Neuem beginnt mitzureißen.
Drum einmal noch gemeinsam Karl, lass uns vom Vergangenen, vom Gegenwärtigen und von der Zukunft erzählen mit den Worten Bertholt Brechts:

„Vorwärts und nicht vergessen,
worin unsere Stärke besteht!
Beim Hungern und beim Essen,
vorwärts und nie vergessen:
die Solidarität!“
In diesem Sinne Karl, Adieu!

R.I.F.
  

Nachruf auf einen Freiheitskämpfer

Von Maximilian Huber

Liebe FreundInnen, liebe KooperationspartnerInnen und liebe LeserInnen!

Ein letztes Mal: Vorwärts und nicht vergessen ... 

Tieftraurig nehmen wir in diesen Tagen Abschied von unserem Freund, Mitstreiter und Zeitgeschichtelehrer Professor Karl Flanner. Der antifaschistische Widerstandskämpfer, Historiker und Gründer des Industrieviertelmuseums Wiener Neustadt, starb am Sonntag, den 2. Juni 2013, im 93. Lebensjahr.
„Um Unfassbares einigermaßen begreiflich zu machen, bedarf es einer fast genialen Mitteilungskunst“, war ein Lebensmotto Karl Flanners. Er verstand es wie kein zweiter Zeitzeuge, den jungen Generationen die Verbrechen der Nationalsozialisten zu erklären und so deren Opfern die Identität und Ehre zurückzugeben. Diese Nationalsozialisten machten den jungen Gärtner- und Elektroschweisserlehrling zum Zeitzeugen. Von der Gestapo 1939 verhaftet, gefoltert und in die Konzentrationslager Dachau und Buchenwald verschleppt, gab Flanner nie den Lebensmut und Widerstandsgeist auf. Als die amerikanische Befreiungsarmee sich dem KZ Buchenwald näherte, befreite er mit seine Lagerkameraden die Häftlinge. Nach dem Krieg setzte er seine Widerstands- und Aufklärungsarbeit als Politiker, Historiker, Publizist und Museumsleiter fort. „Gegen das Vergessen“, war ein weiteres Motto Flanners und für seine unermüdliche Publikationsarbeit wurde er mit zahlreichen Preisen und dem Professorentitel ausgezeichnet. Ein Pfeiler seines Lebenswerkes war die Gründung und Leitung des Industrieviertelmuseums, wo heute niederschwellig der außergewöhnlichen Geschichte Wiener Neustadts gedacht wird. Seine wichtigste Funktion war jedoch die des Zeitgeschichtelehrers. Er hat unzählige junge Menschen für Geschichte interessiert und so manche sind seinem Beispiel gefolgt und Historiker geworden.
Und er war ein wichtiges Bindeglied für die Aussöhnung der ehemals schwer verfeindeten politischen Lager Österreichs. Sein Renomee und guter Ruf verhalf Wiener Neustadt zu internationalem Ansehen in der politischen und historischen Welt. Der Verlust dieses hervorragenden Menschen und Zeitzeugen ist unersetzlich, doch lieber Karl wir versprochen Dir, in Deinem Sinne weiterzuarbeiten.