Zwischen Provinz & Internationale
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Zwischen Provinz & Internationale
Einleitung

Zwischen Provinz und Internationale

erschienen in "Zwischen Provinz & Internationale" von Michael Rosecker:

Der Titel dieser Arbeit nennt als Parameter der Handlung die "Internationale" und die "Provinz". Damit sollen zwei Kategorien beschrieben werden, welche sich jenen Menschen, die den Zeitraum der Handlung - die endgültige Etablierung der industriekapitalistischen Gesellschaft - als ihre Lebenszeit bewältigen mussten, in neuer Form aufdrängten und genauso bitterer wie hoffnungsträchtiger Bestandteil ihres Alltags wurden: die radikale Enge und Weite einer aufbrechenden, sich neuformierenden Welt. Mit "Provinz" ist das Provinzial-Städtchen Wiener Neustadt gemeint und mit "Internationale" die I. Internationale-Arbeiter-Association.

Die Industrialisierung entgrenzte das Leben vieler Menschen der ländlichen und stadtbürgerlichen Bevölkerung. Sie wurden aus ihren Erfahrungs- und Denkhorizonten, aus ihren ökonomischen Beziehungen, ihren sozial-familiären Verhältnissen sowie aus ihren Werte- und Vorstellungswelten unvorbereitet herausgerissen. Der Glaube an die Heiligkeit ererbter Privilegien ging genauso verloren wie die Annahme einer gottgewollten Ordnung von Rechten und Pflichten des Einzelnen in der Gesellschaft. Das gesamte traditionelle Sozialgefüge geriet ins Wanken.

Viele jener, die entwurzelt wurden, konnten weder lesen noch schreiben und sollten plötzlich die technische Revolution der Mechanisierung und den Verlust ihrer gewohnten Lebenswelt verarbeiten. Dabei konnten sie sich jedoch nicht einmal auf ihre überlieferten statischen Erklärungsmuster berufen, da diese ihre Funktion in einer dynamisch-rastlosen Welt bereits verloren hatten. Die Geschehnisse und Zusammenhänge der neu entstehenden Gesellschaft konnte und wollte jenen Menschen niemand in ihrem Sinne erklären. Diese Entwurzelten, waren sie aus unterbürgerlichen Schichten der Städte oder aus ländlichen Unterschichten gekommen, wurden einerseits aus ihrem sehr begrenzten, aber für ihre enge Vorstellungswelt ausreichend weit erscheinenden, da verständlichen und bedarfsorientierten Horizont vertrieben und in die unerträgliche, durchorganisierte effiziente Enge der Fabriken und Werkstätten verfrachtet. Andererseits stieß sie die durch technische Innovationen verursachte Beschleunigung des Lebens und der Informationsflüsse aus einer vertrauten Enge in eine für sie grenzenlos scheinende Welt, die ihre auf Begrenztheit gewöhnten Lebenskapazitäten überfordern musste. Ein Unerklärlich- und somit Unheimlichwerden der alltäglichen Welt war die Folge. (...)

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