Kollateralschäden
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Der Kollateralschaden als Wille und Vorstellung
von Michael Amon

Cover Amon

erschienen in "Kollateralschäden - Essays zur blau-schwarzen Wende in Österreich" von Michael Amon:

Der Kollateralschaden als Wille und Vorstellung

Der Kollateralschaden ist mitunter das Gegenteil dessen, was er zu sein vorgibt. Das hat er mit anderen Erscheinungen des öffentlichen und vor allem politischen Lebens gemein. Landläufig versteht man unter Kollateralschäden jene Art von Schäden, die weder beabsichtigt noch das unmittelbare Ziel einer bestimmten Handlung sind, die man aber zur Erreichung des Ziels in Kauf nimmt. So stellt Schüssel sich etwa als klassischer Kollateralschaden einer Wahlentscheidung heraus, bei der die Protestwählerschaft den Outlaw Haider wählte, aber den lebenslangen Apparatschik Schüssel bekam.

Auch jene Kommentatoren und Essayisten, von denen in einem späteren Kapitel die Rede sein wird, und die dort als unfreiwillige Wegbereiter der Wende gezeigt werden sollen, wollten vor allem zweierlei: in erster Linie die Roten von der Macht entfernt und in zweiter Linie die große Koalition gesprengt sehen. Dafür nahmen sie als vernachlässigbaren Nebeneffekt die blau-schwarze Regierung in Kauf. Sie war nicht ihr Ziel, aber in ihren Augen allemal besser, als das, was es bis dahin gab. Sogar die Bezeichnung „Glückstag” war bekanntermaßen zu vernehmen. Ein klassischer Fall von Kollateralschaden. Man nahm die Beschädigung des gesamten gesellschaftlichen Klimas in Kauf, bloß zu dem Zweck, die bisherige Koalition weg zu bekommen.

Nicht viel anders das sogenannte Bürgertum. Der Wunsch, die Roten endlich von den Schaltstellen der Macht zu entfernen, war so groß, daß man bereit war, den Verlust an Ansehen, an bürgerlicher Gesinnung in Kauf zu nehmen und den zivilisiertem Umgang verschiedener Bevölkerungsgruppen miteinander zu opfern. Es war nicht das Ziel der bürgerlichen Salons, die Parvenus der FPÖ an die Macht zu bringen; die Macht wollte man schon selbst. Hinter vorgehaltener Hand rümpfte man auch etwas erschrocken die Nase, doch der üble Geruch kam längst aus dem eigenen Mund und wurde durch das Handvorhalten noch verstärkt. Aber letztlich galt: potentia non olet. Also her mit der F und weg mit schädlicher Prinzipienreiterei.(...)"

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