Leseproben
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Anna Babka: "Queering the differences" – Gender, Dekonstruktion und die Vielfalt von Differenz Gleichheit und Differenz …
Bevor die Perspektive eröffnet werden kann, Differenzen quer zu verstehen bzw. sie zu queeren und damit die Vielfalt von Differenz anzudenken, muss ich Ihnen, liebe LeserInnen, kurz vor Augen führen, worum es im Feminismus ging und zum Teil heute noch geht, wenn die Frage oder das Denken von Gleichheit und/oder Differenz zur Disposition steht. Ungeachtet der Heterogenität des Feminismus oder der Notwendigkeit, eigentlich von Feminismen sprechen zu müssen, können zwei grundlegende Positionen festgemacht werden, an denen entlang sich die verschiedenen Feminismen ausdifferenzier(t)en: Die eine geht von der grundsätzlichen Gleichheit der Geschlechter aus (Egalität), die zweite von einem unhintergehbaren Unterschied (Differenz), die entweder biologisch begründet wird (biologischer Determinismus; Essentialismus) oder als kulturell bzw. sozial konstruiert betrachtet wird (Konstruktivismus).
Die geschichtliche Entwicklung dieser gegensätzlichen Ansätze ist vielfältig und wechselhaft und ich werde sie nur kurz und schematisch darstellen: Die zweite Frauenbewegung (ca. ab 1960) bezieht sich in den Anfängen ihrer Entwicklung vorwiegend auf die Position der Gleichheit der Geschlechter und kann als Egalitätsfeminismus bezeichnet werden. Der späte radikale Feminismus hingegen, der vielfach mit dem akademischen Feminismus identifiziert wird und historisch betrachtet die spätere zweite Frauenbewegung in den USA und Europa prägte, schwenkt ins Gegenteil um. Dessen Vertreterinnen argumentieren differenzlogisch, d.h., sie schreiben die Geschlechterdifferenz als unhintergehbare Kategorie fest, akzentuieren das genuin Weibliche und lehnen kulturell bzw. sozial begründete Definitionen des Geschlechts ab. Der für unser Thema so bedeutsame französische Feminismus umfasst neben dem Egalitätsfeminismus bzw. dem sozialistischen / marxistischen / materialistischen Feminismus, der von der Gleichheit der Geschlechter ausgeht und diese ökonomisch, rechtlich und politisch durchsetzen möchte, den einflussreichen Ansatz der Theorie der sexuellen Differenz. (...)
Michael Rosecker: Vom Wahr- und Vollgenommenwerden - Eine Verhältnismäßigkeit, die, als Gleichheit empfunden, ein guter Grund ist Demokrat zu sein.
„There is no such thing as society.“
(Margareth Thatcher)
Trotz alledem, wir Menschen leben in Gesellschaft. Die Frage, ob wir wollen oder nicht, wird uns nicht gestellt. Man möge alles entbetten, entkleiden, entkoppeln und von der Schwerkraft menschlich-gesellschaftlicher Verhältnisse „befreien“ wollen, es wird ein absurdes Ansinnen bleiben, „da der Mensch [ein Tier] ist, das dank seiner originären Einbettung in ein öffentliches Netzwerk sozialer Beziehungen erst die Kompetenzen entwickelt, die ihn zur Person machen“. Die Anderen und das Andere sind immer schon da, der Einzelne ist, ob er will oder nicht, schon vergesellschaftet: „Im Inneren des einzelnen Subjekts spiegelt sich ein Äußeres.“ (Jürgen Habermas)
In diesem Verhältnis des Einzelnen zur Gesellschaft entsteht für den vergesellschafteten Menschen ein „Formungsprozess bei dem gesellschaftliche Zurichtung und Selbstmodellierung in eins gehen“. (Ulrich Bröckling) Und dieser Formungsprozess verändert sich und ist gestaltbar. Es werden Kategorisierungen von Personen und Attribute generiert, die das Dazugehören zu einer Gesellschaft, die individuellen Lebens- und Entfaltungschancen zuordnen und somit „verteilen“. Jene, die diesem Formungsprozess ausgesetzt sind, wollen ihn mitgestalten, wollen im Sinne ihrer Interessen, Prägungen und Wertvorstellungen mitverhandeln, um ihm schließlich als den „ihren“, also als „gerecht“ empfundenen, zustimmen zu können. Und das verlangt nach „Gerechtigkeit“ im Allgemeinen und Sozialer Gerechtigkeit im Speziellen. So meinte der katholische Sozialphilosoph Oswald von Nell-Breuning: „Das Wort ‚Soziale Gerechtigkeit‘ wurde geboren nicht im Kreis der Fachgelehrten, sondern im gesellschaftlichen Leben [...].“
Die Gerechtigkeit war somit in menschlicher Gesellschaft, immer schon ein Energie und Sinn geladener, eben ein „guter Grund“, seinen Interessen, Werten und seiner Sache Sinn und Sendung zu verleihen. Das Verlangen nach und die Notwendigkeit der Auseinandersetzung über „Gerechtigkeit“ hat es in menschlicher Gesellschaft immer gegeben, da Menschen immer in reziproken Angewiesenheiten zueinander stehen. Und die Verhältnisse, wie diese zum einen organisiert sind und wie diesen zum anderen als „gerecht“ zugestimmt werden kann, sind immer veränderbar und verhandelbar. Daher ist für all jene, die auf die „allgemeine“ Beteiligung und Mitgestaltung durch „alle“ Gesellschaftsmitglieder abzielen, die Soziale Gerechtigkeit eine zentrale Frage, da die verteilungspolitischen Voraussetzungen für diese allgemeine Beteiligung herzustellen sind. Und die Einkommensdifferenzen sowie die Ungleichheiten in der Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums sind „in der Regel der beste Indikator für die Kräfteverteilung zwischen der herrschenden Klasse und den Eliten auf der einen Seite und den Gegenkräften in der Bevölkerung auf der anderen Seite“. (Michael Hartmann) (…)
Herlinde Pauer-Studer: Freiheit und Gleichheit: Zwei Grundwerte und ihre Bedeutungen
Freiheit und Gleichheit bilden die Grundwerte der Demokratietheorie. Doch der Versuch, die genaue Bedeutung dieser beiden Begriffe und ihrer Beziehungen zueinander zu klären verdeutlicht, dass die normative Symbolfunktion beider Konzepte recht unterschiedliche normative Vorstellungen und Prinzipien abdeckt. Philosophisch relevant wird dabei die Frage, ob nicht eine mittlerweile gängige politische Rhetorik den eigentlichen semantischen Gehalt der Begriffe durch eine Erweiterung auf andere politische Ideen und Maximen verwässert. So haben Philosophen in den letzten Jahren bemängelt, dass dem Begriff der Gleichheit eine vorwiegend rhetorische Funktion zukomme, da die üblichen egalitaristischen Begründungen diverser sozialer Ansprüche mit genuinen Gleichheitserwägungen nichts mehr zu tun hätten.Freiheit bedeutet, sein Leben selbstbestimmt führen zu können. Eine Person ist frei, wenn sie autonom zu entscheiden vermag, welche Form des Lebens sie für gut befindet und welche Werthaltungen sie als für ihr Leben verbindlich betrachtet. Freiheit in diesem Sinn entspricht nicht schrankenloser Willkürfreiheit. Auch in liberalen Gesellschaften sind der persönlichen Freiheit Grenzen gesetzt. Eine maßgebliche Einschränkung der Freiheit in Form der autonomen Verfolgung eines Lebensplans konkretisiert sich in der Bedingung, dass diese Art der Freiheit mit der gleichen Freiheit für andere verträglich sein muss. Lebensformen, deren grundlegende Wertsetzungen sich darauf belaufen, anderen Personen explizit die gleichen Freiheiten zu verwehren, sind nicht zulässig.Damit Autonomie im Sinne der Selbstbestimmung des eigenen guten Lebens gegeben ist, müssen bestimmte Freiheitsrechte garantiert sein wie Gedanken- und Gewissensfreiheit, das Recht, am politischen Prozess aktiv teilzunehmen und das Wahlrecht auszuüben, das Recht der Versammlungsfreiheit und die weiteren durch das Rechtssystem sichergestellten Grundrechte. Volle oder reale Freiheit umfasst einen negativen und positiven Aspekt. Der Begriff der realen Freiheit erstreckt sich neben der Abwesenheit von Einschränkungen auf die Bedingungen, dass die so garantierte Freiheit auch positiv gelebt werden kann, indem sie sich in konkrete Möglichkeiten umsetzt, die eigenen Ziele verfolgen zu können. (...)
Paul Eisenkirchner: Warum? Warum nicht!
Das Schlimmste an der Sache war, dass man danach keine Zigarette rauchen konnte. In den Zimmern war absolutes Rauchverbot und sie konnten es sich nicht leisten aufzufliegen. Nein alles nur das nicht. Er und Franziska lagen nackt, Seite an Seite in ihrem schmalen Bett. Für seine heutige Leistung, und das wusste Peter nur zu gut, gab es wieder Extrakohle. Heute war er echt wieder in Top Form gewesen. Zärtliche Küsse vom Hals bis zu den Zehen, die Nippel zwischen den Lippen nicht zu fest aber doch bestimmt und dann legte er erst so richtig los. Das Geheimnis war es trotz hohem Tempo lange auszuharren, dabei Knurren wie ein ausgehungerter Wolf. Franziska liebte diese Nummer und Peter wusste das genau. Schließlich kam er seit über einem halben Jahr beinahe jede Woche hier her und besorgte es Franziska. Im Bad, im Bett, über dem Tisch von hinten, am Tisch mit der Zunge und einmal im Lehnstuhl mit Franziska oben auf, aber das war ihr zu anstrengend und sie mussten es aufgeben. Franziska war damals zu erschöpft, um in einer anderen Stellung weiter zu machen. Da der Lehnstuhl Peters Idee war, fühlte er sich nicht so besonders, als er an diesem Tag das Geld von Franziska nahm. Aber es war ihr Risiko, sagte er sich, und das genügte schon fast um sein Gewissen zu beruhigen. Als er dann auch noch beschlossen hatte, das nächste mal eine Flasche Wein als Geschenk mitzubringen, war die Sache mit seinem Gewissen aus der Welt geschafft. Jetzt muss er wieder daran denken. Er hatte die Flasche vergessen, immer und immer wieder eingeplant und immer wieder vergessen. Eigentlich wusste er nicht einmal, ob Franziska eher der Rotwein oder doch der Weißweintyp war. Peter wollte nicht danach fragen und er wusste, Franziska wollte niemanden zum Plauschen. Dazu hatte sie ihre Familie und einige Bekannte, obwohl ihre Familie so gut wie nie auf Besuch kam, und die wenigen Bekannten dezimierte die Zeit gnadenlos. Aber Peter wollte sie eben nur für diese eine Sache, Sex, sonst nichts. Anfangs hatte Peter versucht, danach mit ihr ein wenig zu reden, aber immer blockte sie ab. Ging ins Bad, holte zwei Gläser, füllte sie einfingerhoch mit Franzbranntwein und machte das Glas mit Orangensaft voll. Sie tranken schweigend, Franziska in einem geblümten viel zu grellen Flanellbademantel am Tisch und Peter nackt am Bett. Franzbranntwein war die perfekte Lösung, gratis im Heim an Alkohol zu kommen, und mit Saft oder wenigstens Wasser vermischt war es trinkbar und erfüllte seinen Zweck. (...)