Maxens 17.07.2011
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Sabine Gruber: Stillbach oder Die Sehnsucht
17.07.2011

Maximilian Huber
Sabine Gruber ist eine der interessantesten Autorinnen der österreichischen Gegenwartsliteratur. Voriges Jahr beehrte sie Wiener Neustadt mit einer fulminanten Lesung im Rahmen der herbstlichen Buchwoche.
Außerdem widmete ihr die ortsansässige Lyrikzeitschrift "Wortwerk" ein Schwerpunktheft. Ihr neuer, großer, Roman erzählt in einer präzisen Sprache von der Verflechtung persönlicher und historischer Ereignisse, von Stillbach in Südtirol und von Rom, unserer ewigen Sehnsuchtsstadt, von Verrat und Verbrechen, von Sehnsucht, der Suche nach Wahrheit und neuer Liebe.

Der Inhalt: Als ihre beste Freundin Ines in Rom plötzlich stirbt, reist Clara Berger aus Stillbach in Südtirol an, um Ines´ Haushalt aufzulösen. Dabei entdeckt sie ein Romanmanuskript, das im Rom des Jahres 1978 spielt, dem Jahr der Entführung und Tötung Aldo Moros. Darin beschreibt Ines offenbar ihre eigene Ferienarbeit vor mehr als dreißig Jahren als Zimmermädchen im Hotel Marent, schreibt von Liebe und Verrat und Subversion, erzählt aber die Geschichte ihrer Chefin Emma Marente, die seit 1938 in Rom lebt und zum Leidwesen ihrer Südtiroler Familie einen Italiener geheiratet hat. War sie tatsächlich Johann aus Stillbach versprochen gewesen, der 1944 bei einem Partisanenanschlag in Rom getötet worden war? Und ist der Historiker Paul, den Clara in Rom kennenlernt, der Geliebte von Ines aus jenem Jahr? Wie wirken die Spannungen um Südtirol und seine Zugehörigkeit seit der NS-Zeit und dem Faschismus bis heute nach?
In diesem großartigen und in wunderbarer Sprache geschriebenen Roman erzählt Sabine Gruber eine Liebesgeschichte, verflochten mit einer präzisen Beschreibung der italienischen und Südtiroler-Zeitgeschichte, doch kann dieses Stillbach natürlich auch jeder Ort unserer Welt sein. Es ist auch ein Plädoyer gegen die Vorurteile zwischen den Volksgruppen und eine fundierte Auseinandersetzung des Verhltnisses zwischen Südtirol und dem übrigen Italien.

Sabine Gruber, geboren 1963 in Meran, studierte Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft und lebt als freie Schriftstellerin in Wien. Von 1988 bis 1992 war sie Universitätslektorin in Venedig. Für ihr Werk, Erzählungen, Hörspiele und Theaterstücke, sowie ihre Romane "Aushäusige", "Die Zumutung" sowie "Über Nacht" und den Gedichtband "Fang oder Schweigen" erhielt sie zahlreiche Preise und Stipendien, u. a. den Priessnitz-Preis, den Förderungspreis zum österreichischen Staatspreis, das Elias-Canetti-Stipendium der Stadt Wien und speziell das Robert Musil-Stipendium für den oben besprochenen Roman.
www.sabinegruber.at

Verlag: C. H: Beck
Preis: 20,60
 

 


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