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Rezension in „Literarisches Österreich“ 2016/2 von Annemarie Moser

Keine Zeugen: Kurzgeschichten und Glossen

Engagement ohne Zeugen
Ein feines Bändchen mit Kurzgeschichten und Glossen, das ist »Keine Zeugen« von Annemarie Moser. Der Titel spielt auf eine Technik an, welche die Autorin insbesondere in den Geschichten verwendete. Da wird nämlich vieles angerissen, mehr oder weniger zwischen den Zeilen erzählt, geradezu in den Mund gelegt, und doch bleibt Ausschlag Gebendes der Phantasie der Leserinnen und Leser überlassen. Es gibt eben keine Zeugen, und deshalb bleibt so manches in der Schwebe und die Betrachter müssen sich oft mit Vermutungen zufrieden geben.
Die 1941 geborene Wiener Neustädterin Annemarie Moser erzählt aus dem Leben, sie taucht ein in individuelle Schicksale, blickt in ein Altersheim ebenso wie in die Psychiatrie oder in eine Kleingartensiedlung. Ihre Protagonisten sind Männer und Frauen, die mitunter bereits am Ende ihres Lebens stehen oder als Randexistenzen bezeichnet werden könnten – damit sind Existenzen gemeint, die entweder von der Gesellschaft an den Rand gedrängt oder bereits ausgeschlossen wurden, in denen aber selbstverständlich die Gier nach Leben pocht.
Überaus berührend die Kurzgeschichte »Pläne«, in der es um das Ableben eines alten Ehepaares geht, darum dass niemand außer einer Nachbarin sich um das Paar kümmert, und darum, wie die beiden Alten am Ende ihre Pläne doch nicht mehr verwirklichen können und ihr über die Jahre Angespartes in irgendwelchen fragwürdigen Verwaltungen verschwindet. Eine Geschichte, die Lesende gewissermaßen unbefriedigt zurücklässt, im Bewusstsein, dass dies alles doch ungerecht, aber – leider – keineswegs unrealistisch ist.
Das Gefühl, da sollte doch mehr sein, stellt sich immer wieder nach der Lektüre eines der Texte ein. Die Autorin scheint damit zu spielen, wirft ihrem Publikum etwas hin, um am Ende zu sagen: Unsere Welt ist eben nicht perfekt! Damit erreicht sie etwas, das in der heutigen Literatur selten geworden ist: Sie regt zum Nachdenken an.
Die Stationen des Lebens, Gesellschaftspolitisches, Historisch-Kritisches. Die Texte dieses Buches sind eine durchaus im Sartreschen Sinne littérature engagée. Noch klarer wird dies in den Glossen, die den zweiten Teil des Bandes darstellen. 

Moser gibt einerseits Einblicke in den Literaturbetrieb und ihre persönlichen Erfahrungen darin, andererseits greift sie den Wahnsinn des dschihadistischen Terrors auf und meint, sie »wüsste gern weniger«, was wohl kaum ein Leser als wörtlich zu nehmenden Wunsch begreifen wird, sondern als Ausdruck eines unerträglichen Gefühls von Ohnmacht, das die Autorin in diesem Fall mit vielen Menschen teilt.
Beißende Ironie offenbart die Glosse »Bei uns wird nicht geschossen«, in der Moser über die viel beworbenen Langen Nächte (der Kultur, der Kirche, usw.) referiert und reflektiert. Je skurriler das in diesem Text Erzählte wird, desto lauter das Lachen, das einem jedoch eins ums andere Mal im Hals stecken zu bleiben droht. Eine Lyrikveranstaltung mit einer Waffenschau zu kombinieren, lässt eine Vielzahl ebenso kurioser wie kritischer Interpretationen zu.
Hinsichtlich des literarischen Engagements weisen Kurzgeschichten und Glossen in dieselbe Richtung. Aufgrund ihres essayistischen Stils wirken die Glossen indes offensichtlicher, klarer, vielleicht krasser. Zynischer auf jeden Fall, und das macht mitunter verständlich, warum Moser für ein bestimmtes Thema die Gattung der Glosse verwendete und nicht eine narrative.
Man kann dieses Buch von vorne nach hinten lesen, also zuerst die Kurzgeschichten und danach die Glossen, oder, wie ich es mit großem Vergnügen tat, mehrmals vom Erzählerischen ins Essayistische hüpfen und wieder zurück. Zum Abschluss enthält »Keine Zeugen« ein Nachwort der Germanistin Elisabeth Schawerda. Dass ich dieses (fast: denn es war nach der ersten Kurzgeschichte) als Vorwort gelesen habe, bezeuge ich nun mit meinen Worten ...
Klaus Ebner

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